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Frau Holle und der Bauer

For people trying to read Süterlin, I give you the scan of another sage, and the transcription. Have fun reading.

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The sage was recorded by Grimm and retold in the writers own words:

Als Frau Holle einmal umherzog, begegnete ihr ein Bauer mit einer Axt. Sie redete ihn freundlich an und bat ihn, er möge ihren Wagen etwas verkeilen und ausbessern. Der gute Mann machte sich an die Arbeit, und als sie vollendet war, sprach sie zu ihm: “Raff die Späne auf und nimm sie zum Trinkgelt mit”. Darauf fuhr sie ihres Weges. Dem Mann aber kamen die Späne recht unmutig und wertlos vor, darum ließ er sie zum größten Teil liegen, nur ein Stück oder drei nahm er für die Langeweile mit. Wie er aber nach Hause kam und in der Sack griff, waren die Späne eitel Gold. Alsobald eilte er zurück, um auch die andere Späne, welche er liegen gelassen hatte, noch zu holen. Aber so sehr er auch suchte, es war zu spät, von der Späne war nichts mehr zu finden.

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Im Reiche der Frau Holle

I’ve transcribed another sage from the manuscript I’ve mentioned. This time the reading of Sütterlin went better. The sage contains a lot of material from Grimm, but is anyway an own interpretation of the author. It was filed under Meißnerland und Werratal.

1. Im Reiche der Frau Holle

Der Frauhollenteich ist der Eingangstor zu dem unterirdischen Reiche der frau Holle. Oft steigt sie aus ihrem Palaste empor und alte Leute erzählen, wie man die Frau Holle zuweilen badend im Frauhollenteiche gesehen habe. Bald zeigt sie sich als eine schöne weiße Frau auf der Mitte des Teiches, bald ist sie unsichtbar, und man hört bloß aus der Tiefe herauf Glockengeläute und geheimnisvolles Rauschen. Was sie in ihrem Reiche bringt, Backwerk und prächtige Gewänder, Blumen und kostbares Obst, das in ihrem sonnigen Garten wächst, das gibt sie gerne denen, die ihr begegnen und ihr zu gefallen streben. Frauen, die in ihrem Brünnnen steigen, macht sie gesund und lebensfroh. Aus ihrem Brünnen kommen die neugeborenen Kinder, und Frau Holle trägt sie selbst daraus hervor.

Aber sie zieht auch Kinder, die ihrem Brunnen zu nahe kommen gerne zu sich herein; die guten macht sie zu Glückskindern, die bösen zu ungestalteten Wechselbälgen. Wann sie die unartigen Kinder mit der Rute, den braven und gehorsamen aber bringt sie spielzeug und schenkt ihnen Äpfel und Nüsse. Sie hält sehr auf Ordnung und häuslichen Fleiß. Mägde, die schon früh morgens in reingescheuerten Eimern Wasser zur Küche tragen, fanden oft Geldstücke darin. Faule Spinnerinnen bestraft sie, indem sie ihren den Rocken besudelt, das Garn verwirrt oder den Flachs anzündet; fleißigen hingegen schenkt sie Spindeln und spinnt selbst für sie über Nacht, daß die Spulen des Morgens voll sind. Faulenzerinnen zieht sie im Schlaf die Bettdecken ab und legt sie nackend aufs Steinpflaster. Oft verwirrt und zerzaust sie den Frauen auch die Haare und man nennt daher Mädhen oder Frauen mit verworrenen Haaren “Hollerkopf” und die die Leute sagen dann: das Haar ist “hollerig” oder auch “verhollert”. Wann es am Meißner nebelt, und besonders, wenn einzelnen Wolken daran hinziehen, so hat Frau Holle ihr Feuer im Berge; wenn es aber schneit, dann schüttelt Frau Holle ihr Bett, daß die Federn in der Luft umherfliegen.

 

Hessische Sagen – Frau Holle

Recently I’ve purchased a German manuscript probably written probably between 1910-1940. The manuscript contains hundreds of hand-written legends. The name of the writer is not very good legible, but I can make out his first name Rudolf. He collected explicitly all the “Sagen” for the generations after him. The book was unfortunately never published. I’ve made it one of my goals to start publishing his writings as we go. It is not my intention to clean or modernize the language. I focus on the transcription only.

The manuscript was written in Sütterlin which makes it not easy to decipher the manuscript. I couldn’t decipher one word though, which is marked by a red frame. Maybe you can help me out?

Frau Holle

Welchem Kinde im Hessenlande wäre nicht die Frau Holle bekannt? Und wer hätte im Winter, wenn die weißen Flocken vom Himmel hernieder rieseln, nicht schon ausgerufen: “Frau Holle schüttelt ihr Bett”.

Frau Holle durchzieht zwar alle deutschen Gaue, aber ihre Wohnung hat sie im Hessenlande, eine Wohnung, wie sie kein König schöner und prächtiger haben könnte. Und größte und schönste Berg des ganzen hessischen Berglandes, der herrliche Meißner, eine mächtige Berghöhe, von der man bei klarer Lüft bis zu dem Brocken und dem Inselsberge, der Wartburg und der hohen Rhön, dem Odenberge und dem Habichtswalde schauen kann, ist ihr eigen. Hier thront sie im untererirdischen Palaste , und von hier aus tritt sie ihre Umzuge durch die Lande an.

Der Gipfel des Meißner ist abgeglattet und bildet eine Ebene, die ungefähr eine Wegstunde lang und an manchen Stellen etwa halb so breit ist. Uralte Überlieferungen knüpfen sich an einzelne Orte dieser weiten Hochfläche, und kamen von altehrwürdigen Klang, wie der Schlachtrasen und die Runen-wiese, die Kitz-Kammer, und der Gottesborn, weisen zurück in die graue Vorzeit. Eine besondere Merkwürdigkeit der Hochfläche aber bildet eine kleiner, von hohem Gras und Schilf umrahmter See, eingebettet in die muldenartige Vertiefung einen Moorwiese. Das ist der Frauhollenteich, die Wohnung der Frau Holle.

The original:

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